Interview Borkener Zeitung v. 24.3.2012
Ideen kommen während des Schreibens
Zur schreibenden Zunft unter den Mitgliedern der Künstlervereinigung “Farbmühle” in Reken gehört die aus Essen stammende Heide Vullriede.

Von Irmgard Jünck
BAHNHOF REKEN. Mit Spannung warten nicht nur Mitglieder der Künstlervereinigung Rekener Farbmühle auf die Tragik-Komödie von Heide Vullriede. Seit 2010 ist die gebürtige Essenerin, die im Ortsteil Bahnhof lebt, Mitglied der „Farbmühle“. Vullriede, die den Geburtsnamen ihrer Mutter angenommen hat, ist Schriftstellerin. Ihr Werk „Der Tod kann mich nicht überraschen“ erscheint in diesem Sommer.
Die ehemalige Chefsekretärin, staatlich geprüfte Betriebswirtin und Bilanzbuchhalterin hat ihre Leidenschaft für die Literatur zum Beruf gemacht. Menschen, die ihr Interesse an der Kunst und am Schreiben teilen, suchte die Mutter dreier erwachsener Kinder und dreier Enkel in ihrer Wahlheimat. Umso überraschender ihre Erkenntnis, dass im ländlichen Reken kulturelle Angebote nach ihren Wünschen kaum existierten. Eine Kunstausstellung im RekenForum erstaunte sie dann aber doch. Und der nächste Kontakt zur „Farbmühle“ kam über Bernhilde Wüller, bei der sie einen Kunstkursus belegte, zustande.
Mit einer Bewerbungsmappe stellte sich die Autorin vor. Mit positiver Rückmeldung. Sie wurde im Club der Künstler aufgenommen. Vullriede berichtet, dass sie durch die Mitgliedschaft viele anregende Impulse erhalten habe. Erst durch die Unterstützung der anderen habe sie sich getraut, mit ihrer literarischen Arbeit an die Öffentlichkeit zu gehen. Der erste Schritt: Eine Lesung aus „Nächstenliebe“ bei einer Ausstellung in der alten Kirche. „Ich merkte, dass das gut ging. Denn habe ich erst einen Text vor mir, bin ich sofort drin in der Geschichte.“
Die Begeisterung fürs Schreiben begleitet Vullriede seit ihrer Kindheit. „Mit 14 habe ich die ersten Geschichten geschrieben und an eine Illustrierte gesendet.“ Was sie am Schreiben so fesselt? „Spannend finde ich es, in andere Charaktere und Welten zu schlüpfen, ohne meine eigene dabei zu verlassen. Faszinierend ist es, sich in andere Menschen einzufühlen und zu überlegen, warum jemand so handelt, wie es von der Gesellschaft nicht erwartet wird.“ Ein Beispiel? „Die Frage, warum eine Mutter ihr Kind nicht lieben kann.“
Menschlichen Themen, die unter die Haut gehen, nimmt sie sich gerne an. In einer Kladde hält sie ihre Gedankensplitter fest und fügt später Sätze zu Geschichten zusammen. Dabei habe sie das Gesamtkonzept eines Romans vorab im Kopf. Aber: „Während des Schreibens kommen neue Ideen, Charaktere können sich dabei verändern.“ Vullriede ist auf kein literarisches Genre festgelegt. Mit einer guten Portion Humor sind ihre Geschichten mit gesellschaftskritischem Hintergrund gewürzt. Vullriede hat sich vorgenommen, auch im Verein einiges zu bewegen. Eine eigene „literarische Abteilung“ schwebt ihr dabei vor.
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Das Mädchen, das die Poesie liebte
heißt die Weihnachtsgeschichte, welche in der Rekener LebensArt in der Dezemberausgabe 2011 abgedruckt wurde.
“Begrabt mein Herz im Keller. Legt es in den Trockenraum und verschließt es im Eisfach …”
Es geht um Liebe und Poesie, um Anders-Sein und Sehnsucht. Das alles zu Weihnachten. Auf nur zwei Seiten Literatur.
Ich freue mich über diese schöne Präsentation meiner Kurzgeschichte. Denn irgendwie habe ich sie gern. Diese Geschichte hat eine Geschichte. Sie sollte romantisch werden, doch mittendrin bemerkte ich, dass meine Protagonistin ein ganz ganz labilies Mädchen ist und nahe daran war, sich auf die kalten Gleise eines Bahnhofs zu werfen. Ich rettete sie mit Hilfe von Lyrik und des Dichters Schiller. So wurde alles gut. Hier die gesamte Geschichte
Das Mädchen, das die Poesie liebte
Und hier die gesamte Rekener LebensArt Dezember 2011
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Artikel in der Borkener Zeitung vom 17.9.2011







